Kanu Club Ettenheim 1983 e.V.

KCE-Gepäckfahrt in Litauen


Am 24. Juni 2016 brachen Friedel Metzger, Bernhold Winterer und Uwe Rieder zu einer Paddeltour im Osten von Litauen, auf der Seenplatte des Aukstaltija-Nationalparks auf. Im Anschluss wurden die Flüsse Kiauna, Zeimena und Neris als Gepäcktour befahren. Das Ziel der Reise war die Hauptstadt Litauens - Vilnius.

Die Anreise führte am ersten Tag über Görlitz nach Breslau. Leider konnte man nach 11-stündiger Fahrt nicht übernachten; man wurde 3 Mal abgewiesen und musste weiterfahren bis in der nächsten Stadt durch die freundliche Vermittlung der Polizei in einem tollen Hotel übernachtet werden konnte.

Die Weiterfahrt nach Paluse, dem Ausgangspunkt der Paddelaktivitäten in Litauen, führte quer durch Polen und Litauen, mit ca. 70 km Straßenbaustellen und alle waren froh, endlich nach 12 Stunden Autofahrt am Campingplatz in Paluse anzukommen. Schnell waren die Zelte aufgebaut und die ersehnte, warme Mahlzeit angerichtet. Ein Restaurant zur kurzentschlossenen Einkehr gab es leider nicht.

Am Sonntag, 26. Juni ging es sofort los. Durch die Vermittlung eines zufällig angetroffenen Paddlerehepaares aus Mannheim, brachte der örtliche Kanuverleiher gegen eine Gebühr, Paddler und die leeren Boote zum Ausgangspunkt der 1. Fahrt über die Seenplatte des Nationalparks. Auf glasklarem Wasser der Seen suchte man an den mit Schilf bewachsenen Ufern immer wieder die engen Passagen, welche die einzelnen Seen miteinander verbinden und paddelte nach Paluse zurück.

Für nicht einheimische ohne GPS ist es fast unmöglich, die richtige Passage zu finden. Unterwegs wurde an einem sehr alten, renovierten Wassermühlenmuseum von Pakretone, welches die Mühen der Elektrifizierung des Landes im 19. Jahrhundert lebendig macht, eine ausgiebige Pause eingelegt.

20 herrliche Paddelkilometer, bei schönstem Wetter, vermittelten den Paddlern die ersten, tollen Eindrücke dieser Gegend.

Am 2. Tag machte man mit dem Auto einen Abstecher an die nahe gelegene Grenze zu Weißrussland und fuhr weiter zum Bahnhof von Ignalina um dort für die spätere Autorückholung, die genauen Fahrzeiten zu erkunden.

Am 3. Tag wurden wiederum die Boote vom Kanuverleiher transportiert. Es wurde die Buka, ein naturbelassener Kleinfluss gepaddelt. Dieser schlängelt sich einsam in vielen Windungen durch eine wunderbare Naturlandschaft. Leider versperrten immer wieder umgefallene Bäume die Durchfahrt und es musste mehrere Male aus den Booten ausgestiegen und diese umgetragen werden. Zum Glück waren die Boote noch nicht bepackt.

Auf die geplante Gepäcktour ging es am 4. Tag. Wiederum brachte der Bootsverleiher die Boote mit all dem mitzuführenden Gepäck wie Zelt, Schlafsack, Kleider, Miniküche, Proviant und Trinkwasser, insgesamt mit Boot ca. 80 kg pro Paddler, an die Einstiegsstelle des Flusses Kiauna, einem kleinen, schnellfließenden Gewässer, welches nach 16 km in die Zeimena mündet. Auch auf dieser Strecke machten umgestürzte Bäume den Paddlern mit ihren vollbeladenen Booten das Leben schwer. Vor jedem umgestürzten Baum erhöhte sich der Puls, aber alle Hindernisse wurden bravurös gemeistert, auch wenn an manchen Stellen die mitgeführte Handsäge helfen musste.

Auf der Zeimena ging es ruhiger zu. Herrliche Abschnitte durch einsame Wälder und durch Schilfgürtel ließen die Paddlerherzen höher schlagen. Der Fluss zählt zu den saubersten Flüssen von Litauen und ist im Anfangsbereich glasklar. Der ganze Verlauf ist unreguliert und unverbaut.

Nach 18 km schlug man die Zelte auf einer frisch gemähten Wiese auf. Wenn das Wasser auch empfindlich kalt war, ein frisches Bad im Fluss brachte die Lebensgeister wieder zurück.

Für den nächsten Tag waren 35 herrliche Kilometer bis Janudaris vorgesehen. An beiden Ufern gibt es viele neue, aber auch sehr alte und einfache Gehöfte, deren Besitztum bis ans Wasser reicht. Die Bewohner mögen es nicht, wenn Touristen auf ihrem Privatgrundstück Rast machen oder campieren.
Dieses Gebot wurde auch streng eingehalten und als Übernachtungsplatz das Gelände eines Bootsverleihers ausgesucht.

Unter einer Pergola konnte die wohlverdiente warme Mahlzeit zubereitet werden. Eine Dusche gab es nicht und so machte man sich vor dem Schlafen gehen mit dem obligatorischen Bad im Fluss wieder fit.

Eine Lampe wurde nie benötigt weil es erst gegen 23.00 Uhr dunkel wurde. Sogar für das Aufladen der Mobiltelefone war an dieser Station eine Steckdose vorhanden, so konnte der Kontakt zur Heimat sichergestellt werden. Frischwasser wurde aus dem Schöpfbrunnen hochgeholt.

Von Janudaris ging es am nächsten Tag 38 km weiter bis Sapiegiskes. Wieder war es eine wunderbare, einsame Flusslandschaft. Der Proviant und das Trinkwasser wurden knapp und es gab keine Einkaufsmöglichkeit. Übernachtet wurde auf einer Viehweide am Ufer. Trotz allem Bitten wollte die Bäuerin kein Geld für die Übernachtung annehmen. Wie an jedem Abend: Zelt aufbauen, kochen und anschließend im Fluss baden.

Der nächste Tag war der letzte Tag der Gepäcktour und auch der Härteste. Es war sehr heiß und obwohl die Fahrt durch schattige Waldstücke ging, brannte die Sonne auf den freien Streckenabschnitten auf die Häupter. Besonders schlimm war, dass man unterwegs keine Übernachtungsmöglichkeit fand. So musste bis zum Endpunkt durchgepaddelt werden.

Glücklich, aber erschöpft erreichte man nach 66 km und 8,5 Std. den Campingplatz von Vilnius, der Hauptstadt von Litauen. Welch eine Freude endlich wieder in der Zivilisation zu sein mit allem, was die Tage davor entbehrt wurde.

Am Sonntag wurde durch Friedel und Uwe das Auto zurückgeholt, Bernhold hielt derweil Lagerwache. Wegen 1 Minute Verspätung zum Bahnhof mussten sie 4 Stunden auf den nächsten Zug werden. Der Tag war damit gelaufen.

Am Montag war Kultur angesagt. Man fuhr mit dem Auto zum Ort Trakai, besichtigte die dort bekannte Wasserburg und anschließend ging es weiter zum „Geographischen Mittelpunkt Europas“. Danach ging es wieder zurück zum Campingplatz, man ließ das Auto stehen und fuhr mit dem Bus in die Altstadt von Vilnius. Es war sehr beeindruckend welch herrliche Gebäude und Kirchen man besichtigen konnte. Vor der Rückkehr zum Zeltplatz, rundete ein herrliches Menü in einem deutschen Restaurant den Tag ab.

Am Tag darauf entschloss man sich nach Kaunas zu fahren, um dort noch einen Tag auf der Memel und der Lagune von Kaunas zu paddeln. Leider waren Wind und Wellen so stark, dass es nicht ratsam war in die Boote zu steigen.

So wurde umdisponiert und am nächsten Tag ging die Reise nach Polen, an den Talty See, um in den Masuren weiter zu paddeln. Auch dort war das Wetter so schlecht, dass schweren Herzens die Zelte abgebaut und die Heimreise angetreten wurden. Beim Ruderclub Frankfurt/Oder war im Kraftraum Zwischenstopp für die Übernachtung, ehe man am nächsten Tag zurück nach Hause fuhr. Glücklich endete die 2-wöchige Ferientour nach letzten 12 Stunden Autofahrt in der Heimat.

Bernhold Winterer

 

 

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